Aus boegerhilfe
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Zum besseren Verständnis dieses Textes siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Schweinezyklus
Nach 1945 gab es in Deutschland starke Schwankungen in Bezug auf Angebot und Nachfrage nach ärztlicher Arbeitskraft. Im 2. Weltkrieg wurden im Sanitätsdienst viele Ärzte ausgebildet. Diese überwiegend männlichen Ärzte mußten nach Ende des Krieges unter häufig miserablen Bedingungen in den Kliniken arbeiten - was zur Gründung des Marburger Bundes als Ärztegewerkschaft führte. Um Geld zu sparen, beschränkten die Krankenkassen die Niederlassungsfreiheit. Die Inhaber von Arztpraxen verteidigten ihre Privilegien lange erfolgreich - niedergelassene Ärztinnen und Ärzte konnten in den 60iger und 70iger Jahre sehr viel Geld verdienen.
Da eine Tätigkeit als Arzt ein hohes Sozialprestige und gutes Einkommen versprach, drängten viele Studierende in das Medizinstudium, so daß 1967 der Numerus clausus eingeführt wurde. In den frühen 70iger Jahren sorgte der medizinische Fortschritt zu einem hohen Bedarf an ärztlicher Arbeitskraft, es kamen Ärzte aus der Türkei, Jugoslawien, Griechenland nach Deutschland. Die medizinischen Fakultäten wurden ausgebaut, immer mehr Ärztinnen und Ärzte wurden produziert.
Ende der 70iger, Anfang der 80iger wurden Studierende vor dem Medizinstudium z.T. mit drastischen Worten gewarnt: Ihr werdet alle als Taxifahrer oder Kellner enden.
1983 begann ich als internistischer Oberarzt im Kreiskrankenhaus Eckernförde. 1988 wurde ein deutliches Überangebot an Ärztinnen und Ärzten registriert. Die Krankenhäuser haben die Gelegenheit genutzt, junge Ärztinnen/Ärzte zu einem Drittel des Gehaltes als Ärztin/Arzt im Praktikum einzustellen. Aus einer Assistenzarztstelle wurden 3 AIP-Stellen. Diese Zeit war auf 18 Monate beschränkt. Die Berufsanfänger sollten immer nur unter Aufsicht erfahrener Ärzte arbeiten. In der Praxis arbeiteten sie jedoch so wie die anderen Assistenzärzte auch. Als Oberarzt wurde ich häufig angerufen und mußte in die Klinik kommen. Da die Umstellung auf das AIP-Systems die Zahl der Assistenzarztstellen vermindert hatte, mußten die jungen Mitarbeiter häufig nach der AIP-Zeit die Klinik wechseln, wir hatten im Krankenhaus immer wieder neue unerfahrene Mitarbeiter.
In dieser Zeit entwickelte ich kurze präzise Arbeitsanweisungen in einem Hilfesystem von Windows ( .hlp-Datei: Vorteil: einfache, schnelle Suche, Stichwortverzeichnis. Nachteil: keine Bilder, da von Windows als ausführbare Datei erkannt, von Firewalls bei Download aus dem Internet geblockt.) Soweit ich weiß, war Boegerhilfe im hausinternen Netz des Kreiskrankenhauses Eckernförde beliebt und wurde gern genutzt. Ich konnte in der Rufbereitschaft einfach den Rat geben: sehen Sie unter dem Stichwort ... nach und handeln Sie entsprechend. Boegerhilfe war für mich auch eine gute Gedächtnisstütze, die Aufrechterhaltung machte mir einfach Spaß. Leitlinien können und sollen die kurzen Texte natürlich nicht ersetzen. Aber wer kann um 3:00 nachts auf der Intensivstation eine 40-seitige Leitlnie durchlesen?
2004 wurden A/ÄiP wieder abgeschafft. Wegen des Numerus clausus nahm die Zahl der Ärztinnen gegenüber den Ärzten immer mehr zu (Mädchen sind fleißiger, und haben das bessere Abitur). Sie unterbrechen oder reduzieren aus familiären Gründen häufiger ihre Berufstätigkeit. Zum Anderen schieden viele Mediziner aus der Baby-boomer-Generation nach dem Krieg aus dem Beruf aus. Das Überangebot an ärztlicher Arbeitskraft war nicht mehr vorhanden. Deswegen konnte der Marburger Bund eine Verbesserung der ärztlichen Arbeitsbedingungen durchsetzen.
Als Rentner hatte ich die Zeit, zunächst Boegerhilfe auf eine .html - Basis umzustellen. Dabei fehlte aber ein Stichwortverzeichnis. Jetzt habe ich Boegerhilfe auf ein zeitgemäßes Wiki-System umgestellt. Wikipedia ist das weltweit am häufigsten genutzte Informationssystem.